Olivers letzter Tag, der 02. September 1999

von Cathrin Elter

Ich habe mal genau versucht, mich an den Donnerstag im Büro zu erinnern. Was ich leider noch allzu gut weiß ist, daß ich nicht wie sonst, als ich gegangen bin, ca. eine Stunde bevor er gefahren ist, noch länger bei Oli im Türrahmen stehen geblieben bin und wir noch gequatscht haben - und das nur, weil ich irgendwie schlecht gelaunt war.
Ich weiß, daß wir auf jeden Fall an dem Tag noch darüber gesprochen haben, daß wir am Samstag zu dem Motorradladen Hein Gericke wollten, weil da Sommerfest war und ich nochmal auf dem Weg zur Abendschule gucken sollte, wo genau das ist und wann es anfängt.
Ich weiß auch noch, daß Oli mittags im Büro sich etwas mit zu essen bestellt hat. Ich glaube es war bei unserm Mandanten, ein Italiener.
Frank hatte ja die Vermutung, daß Oli noch zur Bank wollte und deswegen nicht Richrath rausgefahren ist. Ich hatte im Büro auch schon gefragt, ob er sich vielleicht Geld geliehen hatte fürs Mittagessen, denn dann wäre das ja sehr wahrscheinlich gewesen, daß er zur Bank wollte, aber das war nicht der Fall.


Krista, die sich mit Oli ein Zimmer geteilt hat, sagte auch, daß er nichts mehr erwähnt hat, daß er irgendwo anders hin als nach Hause wollte. Und das hat er auch zu mir gesagt, daß er nach Hause wollte, um mal wieder einen Abend ausgiebig ins Mud zu gehen und ansonsten zu faulenzen, nachdem er die letzten Abende Jörn beim Renovieren geholfen hat.
Das einzige, was mir noch einfällt ist, daß er vielleicht noch zum Frisör fahren wollte. Darüber hatten wir nämlich in der letzten Zeit auch des öfteren gesprochen, daß ich immer sagte, er müßte mal wieder zum Frisör und er dann immer sagte, daß er sich die Haare wieder wachsen lassen würde. Lang wie er sie wohl früher mal hatte und ich dann immer ganz entsetzt war - aber ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, daß er das nur gesagt hat, um mich zu ärgern, weil mir das gar nicht zugesagt hätte.
Worüber wir konkret an dem Tag sonst noch geredet haben, weiß ich leider nicht mehr, aber wir hatten in der letzten Zeit generell recht viel über Zukunft gesprochen. Über die Wohnung Ihrer Mutter, in die er hätte einziehen können und wollen, die ÜÜerlegung dann aber auch wieder auf jeden Fall ein Auto zu brauchen, um im Winter zur Arbeit zu kommen. Wie er sich ein Auto finanzieren könnte, ohne auf das Motorrad verzichten zu müssen?
Vorher hatte er überlegt, bevor er wußte, daß seine Oma aus dieser Wohnung auszieht, sich eine Wohnung in Düsseldorf zu suchen, wo er kein Auto gebraucht hätte.
Dann haben wir noch darüber gesprochen, welche Fortbildung er machen möchte, die Fortbildung zum Steuerfachwirten oder den Bilanzbuchhalter. Nachdem die Steuerberaterkammer jetzt überlegt, die Zeit, bis man den Steuerberater machen kann auf 7 Jahre zu reduzieren, wenn man den Steuerfachwirten hat, glaube ich wurde diese Fortbildung für ihn interessanter, obwohl er vorher mehr zum Bilanzbuchhalter geneigt hat.