08. September 1999 - Mittwoch

Olis Beisetzung in Berghausen

Wir kommen kurz vor 11:00 Uhr an der kleinen St. Paulus - Kirche in Berghausen an. Es ist ein für die Jahreszeit zu heißer, hochsommerlich sonniger Tag.
Am Montag zuvor haben wir Pater Hase, der die Messe lesen wird, über Oli berichtet und ihm Bilder aus der letzten Zeit gezeigt. Er kennt Oli von einigen Begebenheiten, die in Yvonnes Meßdienerzeit zurückreichen. Auch hat Oli mit mir zusammen schon mal mitgeholfen, einen Container für das Hilfswerk in Zaire, das der Pater leitet, zu packen. Der Pater ist sehr betroffen und gibt sich Mühe, uns zu trösten. Wir sind ihm dankbar, daß er dies nicht nur mit frommen Sprüchen versucht. Er sagt: Wir können das nicht verstehen. Für uns ist Oli zu früh gegangen. Aber vor Gott war sein Leben vollendet. - Wie beneide ich ihn um diese Demut!

Es sind überraschend viele Trauergäste gekommen. Ich sehe auch einige Kolleginnen und Kollegen. Wir, die engsten Angehörigen, gehen zuerst in die Kirche und setzen uns in die erste Reihe. Die Messe beginnt. Pater Hase hält - nach unserem Wunsch - einen Wortgottesdienst. Er spricht über Olis Leben.

Yvonne, neben mir, schluchzt herzerweichend.

Oliver ist uns bei dem schrecklichen Unfall - buchstäblich - aus dem Leben gerissen worden. - sagt Pater Hase. Das ist der Gedanke, der mir auch immer wieder kam. Nur hatte ich das Geschehen immer bildhaft vor Augen. Dadurch hatte ich es abgewandelt formuliert: Oli ist uns aus dem Leben gestürzt.

Nach der Messe gehen wir, begleitet von den Trauergästen zum Friedhof auf der Blumenstraße, hinter der Kirche. Dort steht in einer kleinen, offenen Kapelle, nicht weit von Olis vorbereitetem Grab, der Sarg. Viele Kränze, Blumen, Spruchbänder. Mir fällt ganz besonders der Kranz von Olis engeren Freunden auf. -Auf Wiedersehen Oli - steht auf dem Band, es folgen die Namen.

Es läuft die schon - in letzter Zeit bei anderen traurigen Gelegenheiten - leider so häufig schon erlebte Zeremonie ab. Der Pater spricht die rituellen Worte, die die Kirche für solche Begebenheiten vorsieht. Die Träger schieben den Wagen mit dem Sarg zum Grab. Dort wieder der vorbereitende kirchliche Ritus und dann senkt sich Olis schöner, hellgrüner Sarg ins Grab. Irmi und ich treten ans Grab. Ich werfe ein wenig Erde auf den Sarg.

Ich denke daran, wie Oli aussah, als wir ihn aufgebahrt zum letzten Mal gesehen hatten. Wie er da lag, mit gefalteten Händen und angezogen mit den vertrauten O'Neill-Klamotten und daß er so jetzt dort unten liegt.

Wir treten zur Seite und lassen die Trauergäste an uns vorüberziehen. Früher hatte ich immer die Leute verstanden, die auf den Mitteilungskarten schrieben: von Beileidsbezeugungen am Grab bitten wir freundlichst abzusehen,
In diesem Moment hatte ich aber geradezu das Bedürfnis, zu sehen, wer alles Abschied von Oli nimmt. Mir wäre es wie Verrat vor Oli und Olis Freunden und Bekannten vorgekommen, hätten wir den Trauergästen diese Gelegenheit zur Kontaktaufnahme genommen. So zieht eine ganze Karawane an uns drei vorüber. Wir drücken Hände, werden umarmt. Manch einer sagt gar nichts, andere bieten uns Hilfe an. Wir merken die Betroffenheit der Trauergäste und sind dadurch nicht alleine.

Wir treffen uns in Langenfeld mit einigen Freunden von Oli und unseren Verwandten zum obligatorischen Beerdigungskaffee. Dort wird, wie üblich über den Toten geredet. Es werden lustige und ernste Episoden erzählt. Jörn und Frank kommen zu mir und bieten uns Hilfe an. Sie würden sich gerne auch nach dieser Feier ab und an wieder mit uns treffen. Wir freuen uns über dieses Angebot. Auch wir haben das Bedürfnis, nicht die Menschen aus den Augen zu verlieren, mit denen Oli häufig und gerne zusammen war. Am frühen Nachmittag trennen wir uns und fahren nach Hause.