Gedanken in der Trauer

Ein Wiedersehen ... ?!

Der Gedanke, dass mit dem Tod alles aus sein soll, ist mir nur schwer erträglich.
Vor dem 02.09.1999 habe ich darüber noch anders gedacht. Da war mir der Gedanke, dass mit meinem Tod für mich alles aus sei, sogar tröstlich. Jetzt ist er mir unerträglich. Offenbar greift diese Vorstellung - für mich - jetzt viel zu kurz.

Wir sind Reisende mit unbekanntem Ziel

Ich bin - mittlerweile - überzeugt davon, daß da mehr ist, als nur unser jetziger Daseinszustand. Woraus die Welt und wir - als ein Teil dieser Welt - sich auch immer ableiten, es wird da etwas sein, das ein Urgrund von allem ist. Mit dem menschlichen Verstand sind diese Dinge allenfalls erahnbar, jedoch keines falls erklärbar, vielleicht - für einige Glückliche - auch erfahrbar.

Ein Jahr danach ... (im November 2000)

Heute sind es ca. 14 Monate her, dass Oli diese Welt verlassen hat. Der grausame, unmittelbare, alles andere betäubende Schmerz, hat - was mich betrifft - etwas nachgelassen. Ich kann mich jetzt wieder dauerhaft auch auf andere Dinge des Lebens konzentrieren. Dafür verfalle ich jetzt häufiger in eine depressive Stimmung, die mich jedoch nicht mehr so total lähmt, wie das in den ersten Monaten so sehr der Fall war. Diese depressive Stimmung stellt sich vollkommen unmotiviert ein. Zum Beispiel, wenn ich auf der Straße einen jungen Mann sehe, der von Statur und Bewegung Oli gleicht. Ich bin dann jedesmal richtig erschrocken.

Sechzehn Jahre danach

Es ist unfassbar! Jetzt sind schon 16 Jahre seit Olis Unfall vergangen. Welche Gedanken und Gefühle habe ich heute, nach solch einer langen Zeit, wenn ich an dieses einschneidende Ereignis denke? Spontan fällt mir dazu folgendes ein:

    1. Der Unfalltag ist mir immer noch so gegenwärtig, wie vor 16 Jahren.
      Mir scheint es rückwirkend, als lebte ich ab dem 2.9.1999, dem Todestag meines Sohnes, auf zwei Ebenen. Die eine Ebene ist die der Trauer, die andere ist die des Weiterlebens. Beide Ebenen haben offenbar psychisch zwei völlig unterschiedliche Zeitwahrnehmungen.