Ein Wiedersehen ... ?!

Der Gedanke, dass mit dem Tod alles aus sein soll, ist mir nur schwer erträglich.
Vor dem 02.09.1999 habe ich darüber noch anders gedacht. Da war mir der Gedanke, dass mit meinem Tod für mich alles aus sei, sogar tröstlich. Jetzt ist er mir unerträglich. Offenbar greift diese Vorstellung - für mich - jetzt viel zu kurz.


Das ist mir allerdings erst nach Olis Tod klargeworden. Heute wünsche ich mir nichts mehr, dass mir das passiert, was viele Nahtod-Erfahrene berichten. Viele, die an der Schwelle zum Tod standen, hatten u.a. das Erlebniss, dass sie von einem guten Freund oder einem anderen Menschen, der in ihrem Leben wichtig war, abgeholt wurden. Zahlreiche Berichte über solche Nahtoderlebnisse sind in der Literatur dokumentiert (z.B. bei Dr. Raymond Moody's Leben nach dem Tod, Kenneth Ring's Im Angesicht des Lichts und in kritischer Auseinandersetzung Hubertus Knoblauch's Berichte aus dem Jenseits u.a.).
Die Literatur dieser und anderer Bücher haben mir Hoffnung gemacht, dass da noch mehr ist als nur unser jetziges Dasein. Ich hoffe daher, dass es Oli jetzt gut geht und dass - wo immer er auch jetzt ist - sieht, dass sein Leben einen Sinn hatte, dass er klarer sieht als wir, die den Sinn dieses Lebens nur schwer oder gar nicht finden können.
Ich hoffe auch, dass es Irmi, Yvi und mir gelingt, Olis Tod so zu verarbeiten, dass keiner von uns einen bleibenden seelischen und körperlichen Schaden zurückbehält.
Ich hoffe, dass auch allen anderen, denen Oli nahe gestanden ist, es gelingt, wieder fröhlich zu sein. Das Leben ist zu kurz. Alles verändert sich unaufhaltsam. Wir sollten versuchen, den Moment zu erleben. Was gestern war ist nicht mehr zu ändern. Was morgen kommt ist unbekannt. Das einzige, was wir wirklich haben, ist die Gegenwart.
Ich wünsche mir, das es uns gelingt, dieses Ereignis mit der weisen Gelassenheit des vietnamesischen Vaters eines im Vietnamkrieges getöteten Kindes sieht der jetzt - fast 30 Jahre danach sagt: Man sollte das Geschehene verarbeiten, aber nicht vergessen.

Ich hoffe auf ein Wiedersehen!

Anmerkung:
den obigen Text habe ich im Jahr 2000 verfasst, noch tief in der Trauer verfangen. Meine heutige Sicht auf diese Dinge haben sich nur in Nuancen verändert. So bin ich mir heute sicherer als noch damals, dass ein Wiedesehen möglich sein kann. Viele Indizien sprechen eher dafür als dagegen.
Langenfeld, den 20.12.2015