Kindheit, Schule und Beruf

Oli wurde in Aurich (Ostfriesland) geboren. Der 25. Mai, ein Sonntag, war ein schöner, sonniger Tag. Daß die Sonne lachte, stand allerdings in Gegensatz zu Olis Gemütsfassung. Wie jedes Baby wäre auch Oli lieber im Schoß der Geborgenheit geblieben. Die kalte Klinikwelt begeistert sicherlich kein Baby auf der Welt. Nach einer Woche wurden Mutter und Kind nach Hause entlassen. Oli wuchs als gesundes und aufgewecktes Kind heran. Sehr früh fing Oli zu sprechen an. Das erste Wort, das er laut und deutlich aussprach, war Auto. Auch die Motorik entwickelte sich sehr schnell. Früh stand Oli bereits auf beiden Beinen.


In Hage, einem kleinen Dörfchen ca. 2 km südlich der Stadt Norden, ging Oli im Alter von 3 bis 5 Jahren in den Kindergarten. Es zeigte sich bereits, daß Oli leicht und schnell lernte. Auch das Sozialverhalten entwickelte sich erfreulich. Es machte ihm viel Spaß, mit Mutter, Vater und Dackel im Lütetsburger Park, einem bei Hage gelegenen romantischen Wasserschlößchen mit großer Parkanlage, spazieren zu gehen.
1979, das Jahr, in dem Oli in die Grundschule eingeschult wurde, zogen wir von Ostfriesland nach Erkrath. Wir zogen in ein Hochhaus am Rosenberg. Das war insofern sehr praktisch, weil Olis Grundschule, die Bavierschule, nur ca. 300m von unserem Haus entfernt war. Oli verbrachte dort die ersten Grundschuljahre. Man ist ja leicht geneigt, das eigene Kind über die Maßen zu loben. Tatsache ist, daß Oli - mit Abstand - die ganzen 4 Jahre über Klassenprimus war. Seine damalige Lehrerin, Frau Jenrich, beschrieb ihn als einen schulischen Überflieger.
Im Juni 1983, also gerade zum Schulwechsel zur weiterführenden Schule, zogen wir um nach Langenfeld. Oli wurde dort in das Konrad-Adenauer-Gymnasium eingeschult. Während der ersten Jahre war Oli noch ein sehr guter Schüler. Aber irgendwann mußte er wohl genug von der Schule gehabt haben. Seine Noten waren ab der Mittelstufe ausgesprochen schwankend. Von sehr gut bis ungenügend war alles vertreten. Es zeigte sich, daß Oli immer dann die Note sehr gut hatte, wenn ihm der Lehrer oder die Lehrerin sympathisch war. In ein und demselben Fach konnte dann die Note im nächsten Halbjahr bis in die Talsohle sinken, wenn ihm bei Lehrerwechsel ein ihm nicht sympathischer Lehrkörper vorgesetzt wurde.
Wir haben hierfür keine Erklärung. Warum eine Lehrerin Oli sehr gute Noten im Deutschaufsatz gab und eine andere Lehrerin ein halbes Jahr später mangelhafte Leistungen bescheinigte, mag auch deren Geheimnis bleiben. Tatsache ist allerdings auch, daß Oli Leuten, die er nicht mochte, dieses deutlich zeigte. Unseres Wissens allerdings nie unverschämt. Oli hatte eine unnachahmliche Art, Verachtung durch Gestik und Gesichtsausdruck zu zeigen. Er war insofern auch sehr kompromißlos.
Die Oberstufe gestalte sich dann auch sehr chaotisch. Oli hatte in den naturwissenschaftlichen schriftlichen Fächern (Mathe/Physik etc.) eigentlich immer gute und sehr gute Noten. Die geisteswissenschaftlichen Fächer allerdings schienen ihn nicht sonderlich zu interessieren. Da es sich hier in erster Linie um Fächer handelte, deren Notenfindung sich aus der Beteiligung am Unterricht herleitete, war Oli - nicht zuletzt auch wegen immenser Fehlstunden - hierbei nicht ausreichend tätig. Zwar, wenn schriftliche Tests in diesen Fächern geschrieben wurden, war Oli häufig wieder mit der Bestnote vertreten. Trotzdem gaben ihm die Lehrer wegen mangelnder Beteiligung durchweg schlechte Noten. Selbst in Mathe riß ihn die mangelnde mündliche Beteiligung immer wieder rein. So passierte es nicht selten, daß Oli schriftlich die Note sehr gut hatte, mündlich jedoch mangelhaft. Als Ergebnis bekam er dann befriedigend bescheinigt. Man mag davon halten, was man will. So fördert man sicherlich keine hochbegabten Schüler. Oli war halt ein zurückhaltender junger Mann.
1989 wechselte Oli zwecks Image-Verbesserung zum Landrat-Lukas-Gymnasium nach Opladen. Aber auch dort war wohl nicht der richtige Ort. Wie wir später erfuhren, muß Oli in dieser Zeit häufig dem Unterricht ferngeblieben sein. Das wirkte sich natürlich auch auf seine Noten aus. Die Situation war nicht sehr rosig, als Oli 1991, mittlerweile in Klasse 12, wieder ans Konrad-Adenauer-Gymnasium wechselte. Hier wiederholte er freiwillig noch einmal die Klasse 12. Die Klasse 13 schloß Oli eigentlich dann einigermaßen ab. Er hatte allerdings ein Defizit in Geschichte. Rache ist süß, mag sich der damalige Geschichtslehrer gedacht haben. Oli wurde nicht zum Abi zugelassen. In der Oberstufe darf man nur einmal eine Klasse wiederholen. Aufgrund Olis freiwilliger Ehrenrunde in der Klasse 12 hatte er sich dadurch selbst der Möglichkeit benommen, die Klasse 13 zu wiederholen.
Also verließ Oli ohne Abi, dafür mit Fachhochschulreife im Sommer 1993 das Gymnasium.
Hieran schloß sich die Zivildienstzeit an, die er beim ASG-Bildungsforum, einem Erwachsenenbildungsinstitut in Düsseldorf, absolvierte. Dort konnte er auch anschließend das für die Fachhochschulreife notwendige Berufspraktikum erledigen. Nach dieser Zeit jobbte er zeitweise in diesem Institut. Oli war beim Kollegium allseits beliebt. Ganz besonderes Lob bekam er, ohne daß er es wußte, durch den stellvertretenden Leiter dieser Stelle. In einem Gespräch erzählte er mir (dem Vater), daß Oli ein sehr zuverlässiger Mitarbeiter sei. Alles, was Oli aufgetragen bekäme, wäre zügig und fehlerfrei von Oli erledigt worden. Es sei erstaunlich, wie wenig Fehler Oli bei der Arbeit mache. Deshalb würde er ihn gerne auch nach der Zivi-Zeit jederzeit wieder für diverse Arbeiten engagieren.
Von 1996 bis 1998 machte Oli eine Lehre mit Abschluß Steuerfachassistent. Bei seinem Lehrherrn arbeitete Oli bis zu seinem Unfall als Angestellter.
Nach unserem Eindruck hat Oli der Job beim Steuerberater Spaß gemacht. Das rührte sicherlich nicht zuletzt daher, daß er das Glück hatte, in einem sehr jungen Team zu arbeiten. Der lockere Führungsstil und das offensichtlich gute Betriebsklima waren nach seinem Geschmack.