Der Computer im Leben von Oli

Im Alter von 12 Jahren, Weihnachten 1985, bekam Oli seinen ersten Computer geschenkt. Das war Liebe auf den ersten Blick. Damals kamen Computer noch ohne Festplatte und Mäusen aus. Dafür gab es Datasetten. Festplatten und Diskettenlaufwerke waren noch nicht die Regel. Der erste Computer war ein Commodore 64. Die ersten Basic-Programme, z.B. der Classiker Tron wurde mühevoll nachprogrammiert. Ein Spiel, dass wir beide sehr gern spielten, war Elite.

Dabei ging es darum, möglichst viel Geld in fremden Galaxien zu verdienen. Die Schwierigkeit war nur, ans Ziel zu kommen, um die eingekauften Waren auf dem Zielplaneten wieder zu verkaufen. Die ganze Galaxis war verseucht mit Piraten, die das eigene Schiff angriffen und auch schon mal zerstörten. Es war ziemlich kniffelig unter Beschuss das eigene Raumschiff in einen Hangar zu steuern, der sich langsam um seine Längsachse drehte, so dass man hierzu sein Schiff synchron in der gleichen Drehgeschwindigkeit halten muss, um es dann letztlich dort hinein und in Sicherheit zu steuern.
Später wurde dieser Computer mit einem Diskettenlaufwerk aufgerüstet, ein externes riesiges Gerät, fast so groß, wie der Computer selbst. Dann wurde der Commodore gegen einen Atari ausgetauscht und wieder einiges später kam der erste PC.
Die letzten Jahre, und ganz besonders das letzte Jahr 1999, standen im Zeichen des Internets. Oli hat zeitweise nächteweise irgendein sog. Rollenspiel im Internet gespielt. Soviel ich mich erinnere, genau weiß ich nicht, worum es dabei ging, wurde dieses Spiel rein textmäßig , und zwar in englisch, gespielt. Oli hatte das Zimmer unmittelbar neben unserem Schlafzimmer. Ich höre noch die Wahnsinnsgeschwindigkeit, mit der Oli in die Tasten hämmerte und ab und zu einen Wutschrei ausstieß. Was ihn dazu veranlasste, weiß allerdings ich nicht. Es konnte auch passieren, dass Oli irgendeinen Mitspieler im Netz laut mit schlimmen Namen belegte, die ich hier aus Anstand nicht wiedergeben möchte (Hallo Frank: Du weißt sicherlich welche Vokabeln Oli hierfür benutzte.) Oli soll es ziemlich weit in der Spielhierarchie gebracht haben. Sein bester Freund Frank erzählte uns, dass nach Olis Unfall Spielteilnehmer aus aller Welt bei ihm nachgefragt hätten, wo den Ugor blieb, das war sein Spiel-Pseudonym. Unsere Telefonrechnungen stiegen in dieser Zeit in astronomische Höhen.
Ein langjähriges, man kann schon sagen Ritual, war das Netzwerktreffen bei seinem Freund Frank. Dann wurde der PC komplett abgebaut und bei Frank wieder aufgestellt. Häufig war auch seine Freundin Sylvia dabei. Dann ging es das ganze Wochenende mit irgendwelchen netzwerkfähigen PC-Spielen zur Sache, bis zum Abwinken. Wenn wir Oli nach einer solchen Netzwerk-Nacht dann zum Frühstück gegen 13:30 Uhr sahen, sah er doch schon mal ziemlich alt aus.
Der Computer spielte in Olis Leben eine sehr große Rolle. Oli hatte zunehmend, so empfand ich es jedenfalls, eine intuitive Art entwickelt, mit diesem Gerät umzugehen. Was ich mir mühsam anlesen und üben musste, klickte bei Oli fast automatisch.