Sachstand 25.10.1999

 Heute habe ich Akteneinsicht bei meiner Rechtsanwältin bekommen. Danach sieht es zusammenfassend so aus:

Es existieren drei Zeugen, die übereinstimmend aussagen, daß Oli weder Schuld trifft noch daß er irgendeine Chance hatte, den Unfallverlauf zu beeinflussen. Der Unfallhergang verlief entsprechend den Zeugenaussagen und der Spurensicherung der Polizei wie folgt:

Aufgrund einer Baustelle, die jedoch bereits weitestgehend geräumt ist, kommt es ca. 600 m vor der Unfallstelle zu einem Stau, der sich aber bereits weitestgehend in Auflösung befindet. Hinter dieser Baustelle beschleunigen alle Verkehrsteilnehmer ihre Fahrzeuge. Ungefähr 300m vor der Unfallstelle fährt Oliver auf der linken Spur hinter einem schwarzen PKW. Beide, PKW und Oli, fahren mit eingeschaltetem Fahrlicht.

Der Unfallverursacher nähert sich zu diesem Zeitpunkt auf der rechten Fahrspur mit ungefähr 150 km/h dem Rastplatz Berghausen und muß wegen langsamer fahrenden Fahrzeugen abbremsen. Gleichzeitig verläßt ein LKW auf der Auffahrspur den Parkplatz. In diesem Moment, die Abbremsung des Unfallverursacher ist noch im Gange, fährt der Oli vorausfahrende PKW am Unfallverursacher vorbei. Unmittelbar nachdem der PKW an dem Fahrzeug des Unfallverursacher, ein VW-Passat-Kombi, vorbeigefahren ist, zieht dieser unvermittelt auf die linke Spur hinüber. (Ein Zeuge vermutet, daß der Unfallverursacher die rechte Spur für den auffahrenden LKW freimachen wollte). Oli macht eine Vollbremsung (am Unfallort verläuft eine vom Motorrad verursachte Brems-Blockierungsspur von 12m Länge). Der PKW erfaßt ihn trotzdem und stößt ihn regelrecht von der Fahrbahn. Das Motorrad kracht in die linke Leitplanke und mäht auf einer Strecke von 25m die Begrünung nieder, um dann, von dort abprallend, diagonal auf die gegenüberliegende Standspur zu schleudern und erst 90m danach zum Stillstand zu kommen. Oliver, so ein Zeuge, habe sich mehrfach überschlagen und ist dann auf der linken Fahrbahn liegengeblieben.

Das Unfallfahrzeug, so die Polizei, sei erst nach 300m auf die Standspur gefahren. Der Fahrer habe sich dann von dort zum Unfallort begeben.

Der Unfall ereignet sich um 17:23 Uhr. Die Fahrbahn war trocken und es herrschten sehr gute Sichtverhältnisse. Nach der Spurensicherung der Polizei war auch keine Sichtbeeinträchtigung durch ungünstige Sonneneinstrahlung gegeben. Der ca. 100 m hinter Oli fahrende PKW- Fahrer hat ausgesagt, daß der Unfallverursacher ohne setzten des Blinkers die Spur plötzlich gewechselt hat. Der Fahrer des vor dem Unfallverursacher herfahrenden PKW hat ausgesagt, daß nach Setztens des Blinkers der Unfallwagen die Spur gewechselt hat.
Dieses ist der einzige sich widersprechende Punkt in den Zeugenaussagen. Meiner Ansicht nach ist dieser Umstand nicht von großer Bedeutung. Ob mit oder ohne setzen des Blinkers, Oli hätte keine Chance gehabt, da er sich bereits bei Spurwechsel neben dem Unfallverursacher befand.

Für mich sieht die Unfallursache so aus:

Wie nach eigener Erfahrung sehr häufig bereits erlebt, fahren die auf der rechten Spur befindlichen Fahrzeuge am Unfallort mit einem Tempo von ca. 80 bis 100 km/h. Der Unfallverursacher nähert sich vermutlich mit zunächst 150 km/h dem Parkplatz und muß wegen der langsamer Vorausfahrenden abbremsen. Wegen der auf der linken Seite schneller fahrenden Fahrzeuge kann er die Spur nicht sofort wechseln. Während die Abbremsung fortgesetzt wird, beobachtet er im Außenspiegel, ob sich eine Gelegenheit ergibt, die Spur zu wechseln, um nicht gänzlich auf die erheblich niedrigere Geschwindigkeit der rechts fahrenden Fahrzeuge herunterbremsen zu müssen.
Er sieht den mit ca. 150 km/h sich nähernden schwarzen PKW, der mit eingeschaltetem Fahrlicht fährt (das ist ungewöhnlich, weil am Unfalltag hochsommerliches Wetter herrschte; vermutlich hatte er nur vergessen, das Licht nach Durchfahren der Werstener Tunnel wieder abzuschalten).
Da voraus erkennbar also die rechte Spur durch langsamer fahrende Fahrzeuge "blockiert" wird und darüberhinaus ein LKW - der in der Beschleunigungsphase noch erheblich langsamer auf die Spur wechseln wird -, ist der im Verhältnis hierzu mit noch vermutlich 130 km/h fahrende Unfallverursacher bestrebt auf die linke Spur zu wechseln. Er sieht den beleuchteten PKW. Den dahinter fahrenden Motorradfahrer - ebenfalls mit eingeschaltetem Fahrlicht - nimmt er nicht wahr. Während er sich also noch mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit den vorausfahrenden Fahrzeugen nähert, auch nicht mehr weiter abbremsen möchte, weil er (irrtümlich) glaubt, hinter dem sich auf der linken Spur nähernden PKW die Spur wechseln zu können, kommt er in eine Situation, die es erforderlich macht möglichst rasch auf die linke Spur überzuwechseln. Ohne weiter zu überlegen, insbesondere, ohne vor dem Spurwechsel den Kopf zur Absicherung des toten Winkels einmal nach links zu wenden, zieht er sofort nach Passieren des vor Oli fahrenden PKW nach links auf die Überholspur.

Dabei fegt er Oli von der Bahn!