Mein Eindruck nach dem Urteil

Heute erst , am 12.10.2000, haben wir das Urteil über unsere Anwältin erhalten. Wie ich durch diese erfuhr, hätten wir es - ohne unsere Nachfrage - gar nicht bekommen. So ist das also: 13 Zeilen umfaßt die Begründung dieses Urteils. 13 Zeilen, welche die Todesursache eines jungen Mannes und das Strafmaß des Unfallverursachers beschreiben.

Beim Lesen dieses kurzen Urteils wurde mir klar, dass es keine gerechte Strafe geben kann. Kein weltliches Gericht kann dieses Unglück gerecht beurteilen. Ich weiß nicht, wie es dem Unfallverursacher geht, denn bis heute hat er noch keinen Versuch gemacht, mit uns in Kontakt zu treten. Ich kenne ihn nicht. Nur während der Gerichtsverhandlung saß er mir im Gerichtssaal gegenüber. Blickkontakt hat er weitestgehend vermieden. Nach dem Urteil ist er irgendwie schnell verschwunden. Ich selbst war am Verhandlungstag ziemlich fertig mit den Nerven. Ich ärgere mich noch heute über manchen Tenor, den die Verteidigung ins Spiel brachte und den ich nicht genügend parriert habe. Aber was solls - alles das macht Oli auch nicht mehr lebendig.

An den Unfallverursacher: (vielleicht verirrt er sich ja irgendwann mal auf diese Seite):

Niemand ist unfehlbar. Alle Menschen machen irgendwann Fehler. Die meisten haben nur das Glück, dass ihre Fehler nicht solch katastrophale Folgen nach sich ziehen. Auch mir ist es schon passiert, dass ich ein Fahrzeug im toten Winkel erst kurz vorm Zusammenprall bemerkt habe. Ich hatte bisher jedesmal insofern Glück gehabt. Ich hasse ihn nicht dafür, dass er Ursache für den Tod meines Sohnes wurde. Ich wünsche mir, dass er mit seinem Töchterchen mehr Glück hat, dass es ihm Enkelkinder schenken wird und das es gesund und glücklich wird.-

Zusatz - geschrieben am 01.03.2015

Nun sind schon fast 16 Jahre seit Olis Tod vergangen. Ich hätte mir gewünscht, dass der Unfallverursacher in der Zwischenzeit einmal den Kontakt gesucht hätte. Das ist jedoch bis heute nicht geschehen. Ich kann das nur schwer verstehen. Aber so reagieren wohl viele Menschen. Als ob Wegducken auf Dauer eine Lösung wäre.